Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman | 
vergrössern | Autor: Uwe Tellkamp Urheber: Uwe Tellkamp Verleger: Suhrkamp Verlag
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Bewertung: 25 Rezensionen Verkaufsrang: 11
Medium: Gebundene Ausgabe Ausgabe: 1 Seiten: 976 Versandgewicht: 2.2 Maße (innen): 8.6 x 5.4 x 2
ISBN: 3518420208 EAN: 9783518420201 ASIN: 3518420208
Publikation: September 10, 2008 Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen
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| Kundenrezensionen: Gelesen 20 mehr Rezensionen...
Ich finde dieses Buch sehr gut November 27, 2008 ANNA (d) 0 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich finde dieses Buch sehr gut. 2009 soll ein ähnliches Buch von Johanna Ancke herauskommen, auch über Dresden, geschrieben aus der Sicht eines französischen Arztes, der im Jahr 1965 den "Wilden Osten" erlebt, aus Liebe hier bleibt und mit Stasi und Konsorten zu tun bekommt. Es ist auch autobiographisch. Ich freu mich drauf, auch einmal die Seite der "Fremden " zu lesen zu bekommen, die den Osten als absurd kennen lernten. Titel soll wohl "Liebe, Leid und Zonengrenze - Willkommen in der DDR" sein. Ich finds nur noch nicht bei Amazon.
Geschichte aus einem versunkenen Land November 25, 2008 Dana Tiefenbacher (Berlin) 3 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
... und genau als solche bewerte ich das Buch, nicht mehr und nicht weniger. Wer als Leser mit der Erwartung herangeht, tatsächlich etwas über das Leben und die schließliche Aufbruchsstimmung der Menschen in der Ex-DDR zu erfahren, wird enttäuscht. Der Autor beschreibt detailverliebt, überfrachtend und mitunter sogar geschwätzig eine Randgruppe von einigen wenigen Intellektuellen und deren familiärem und nachbarschaftlichem Anhang. Diese Randgruppe gab es, doch sie ist nicht interessant genug, um hieraus Stoff für ein Buch von fast 1000 Seiten zu weben. Man muss hier als Leser schon viel Zeit und Geduld aufbringen, sich in die, mitunter schon an Mystik und Morbidität grenzende Handlung einzulesen, was mir persönlich nicht immer gelang. Die beschriebenen Hauptpersonen blieben bis zur letzten Seite blass und unpersönlich; mir als Leser fehlte der Kontakt zu ihnen, weshalb mir das Buch auch regelrecht unsympathisch erscheint. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb das Buch so hochgelobt und fast als etwas Besonderes herausgestellt wird. Der "Wenderoman", als den ihn Einige preisen, muss erst noch geschrieben werden.
Tsunami November 25, 2008 G. Setgmann 2 aus 3 fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Geschichte entwickelt sich wie ein Tsunami: Zuerst deuten an der Oberfläche fast unmerkliche Zeichen auf Gefahr und Verderben hin. Eine scheinbar harmlose Welt, Familiengeschichten, Berufsprobleme, ein bißchen Ehebruch, Pubertätsalltag, Wohnungsnot, Güterknappheit in allen Lebensbereichen, Schwerfälligkeit und Selbstgefälligkeit des Apparats, stets gegenwärtig die Furcht vor Spitzeln, bis hinein in die erste Primanerliebe, Erpressung und Bestechung. Allgegenwärtige Kontrolle, aber, alles in allem, ein fast ungetrübtes großbürgerlich intellektuelles Leben gut dotierter Ärzte, Ingenieure, Firmenleiter, Schriftsteller. Nicht von ungefähr arbeitet Meno, eine der Hauptfiguren, über Spinnen und ihre Netze: Ein dichtes Netz staatlicher Kontrolle und ein enggeknüpftes persönlicher und beruflicher Beziehungen ist ausgespannt. Dazu, dazwischen, darüber (?) die -für mich- oft zu ausladenden Gemälde der metaphernreichen Orts- und Situationsschilderungen, viele Farben, eine Fülle feinsinnigster Beobachtungen, meist dunkle, schmutzige Schattierungen, bedrohliche, alles überwuchernde Pflanzen, Verfall, Fäulnis. Die Umwelt wird bis ins Detail gezeichnet: Schade, daß kein simpler Stadtplan an Stelle der liebenswerten, aber unbrauchbaren Zeichnungen die Orientierung erleichtert. Aber Google hilft aus der Verlegenheit. Eine Ozeanwelle, die lange, fast unmerklich anrollt und plötzlich alles mit sich reißt. Das Vergehen der Zeit ist markiert in den wechselnden Jahreszeiten und dem abundanten Hinweis auf Uhren. Wie in vielen Romanen, man denke an Roths "Radetzkymarsch", ein Fest vor der Katastrophe: Aber die Hochzeit wird in Gewitter und Regen ersäuft. Dann der Absturz: Die erschütternden Szenen des Kasernenalltags, 0815 ist etwas für Mädchenpensionate, grandios das Aufbegehren im Schriftstellerkongress, die Groteske auf dem Bahnsteig im Versuch, den Soldaten des Brudervolkes zu helfen, die Arbeitsbedingungen in den riesigen Kohlekombinaten, Stromausfall und Chaos in den Kliniken, die Miltärgerichtsbarkeit. Entscheidende historische Wenden werden in Familiengeschichten dargestellt: Die "Buddenbrooks", Roths "Radetzkymarsch", Feuchtwangers "Wartesaal"-Trilogie, und jetzt "Der Turm". Ein würdiges Buch in einer ehrwürdigen Genealogie. Man muß Dresden einen bibliophil-archäologischen Besuch machen.
Herr Tellkamp im Turm November 23, 2008 Monika 2 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Eine kleine Ergänzung zu anderen Rezensionen. Dieses Buch ist empfehlenswert.Es zeigt nämlich, die Sieger schreiben nicht nur die Geschichtsbücher, sondern es finden sich auch talentierte Autoren, die sprachgewaltig und gut komponiert, dieses angesagte undifferenzierte Geschichtsbild literarisch unterfüttern. Tellkamps Roman beginnt in Dresden im Dezember 1982. Kälte, Tristesse, Mangel und Geducktheit. Mietskasernen mit Strohrädern (?), flatternde, traurige Wäsche (S.172), Müll auf der Straße. Für einen Wintermantel für den Gatten(Chirurg)muss die Ehefrau fünf Stunden anstehen (S.65),die durch die düsteren Straßen hastenden Frauen tragen graue und braune Kopftücher, die Männer Fell-Schapkas(S.162, die Kopfbedeckungen der verhassten Russen).Wer Glück hat, bekommt ein paar Fellreste aus einer Fabrik und klöppelt sich daraus ein Mützchen/S.67). Im Kaufhaus schlichtet der ABV(!), von der Verkäuferin fix gerufen, einen Streit: "Bürgerin, Sie haben die Ware beschädigt, also hat die Bürgerin Verkäuferin Anspruch auf Schadenersatz."(S161)usw. usf. Wer in der DDR gelebt hat,versteht den Unsinn in Inhalt und Sprache. So holzschnittartig lassen sich die Gründe für die notwendige Wende nicht erklären, auch nicht auf 973 Seiten.Und darum geht es doch wohl!
Woraus besteht der Kern des sozialistischen Systems? November 20, 2008 Dr. Steffen Duck 2 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich
"Die Idee, daß er nun im Inneren des Systems angekommen sein mußte, ließ Christian eine lange Zeit in der noch längeren Dunkelheit der Zelle nicht los." (S. 827) Eine herzzerreißende Allegorie auf das Wesen des Sozialismus- nur Schwärze und Dunkelheit! Möge der Roman dabei helfen, uns vor einer erneut heraufziehenden sozialistischen Knechtschaft zu bewahren, denn schon wieder erhebt dieses Monster sein widerliches Haupt, zeigt ungeniert seine häßliche Fratze! Allen Ernstes wird bei Maischberger bespielsweise gefordert, uns den Sozialismus zurückzugeben. Ein Wiedergänger Honeckers steht in den Startlöchern. Im Gesundheitswesen herrscht Planwirtschaft in Reinform. Die Erfassung der Bürger und deren Bewegungsprofil ist diesmal dank besserer technischer Möglichkeiten wahrhaftig vollständig und lückenlos. Der Autor versteht sein Handwerk, beherrscht die deutsche Sprache meisterhaft, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Seine Beschreibungen erzeugen beim Leser exakt jene Emotionen, die man an Stelle der handelnden Person in jenem Moment auch hätte- bis hin zur körperlichen Übelkeit, beispielsweise bei der Einberufung. Wie kann man ehrlich lügen? Der Autor vermittelt es dem Leser schlüssig. Was ist Gemeinschaft- immer nur Notgemeinschaft! Der Leser aber ist Teil derselben- und wird sein Gegenüber in der Realität in einem Versprecher möglicherweise mit "Herr Rhode" anreden. Es ist alles andere als vorbei und wird uns leider mit hoher Wahrscheinlichkeit in veränderter Form wieder heimsuchen!
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